Zwei Distelfaltergeistesgrößen
(ein Gedicht von
Florian Mayr)
 
Zwei Distelfaltergeistesgrößen
wollten mal ein Rätsel lösen.
„Hat der Mensch wohl ein Gehirn?“
Darüber lässt sich diskutier’n.
 
„Nein, oh nein, das kann nicht sein“,
fiel gleich dem ersten Genie ein,
„denn wenn wir nach Norden fliegen,
damit wir gutes Futter kriegen,
 
viel bessres Klima obendrein,
quetschen sie sich in Blechkisten rein
und stauen sich dann stundenlang,
Richtung Süden, ohne Zwang.“
 
Auch die zweite Koryphäe,
spricht dem Mensch ab Geistesnähe.
Bedauernd spreizt er seine Schwingen:
„Der Geist gehört uns Schmetterlingen! 
 
Die Menschen sind doch abnormal,
woher bloß dieser Hang zur Qual?
Im Süden wächst kein Grashalm mehr,
ungenießbar auch das Meer
 
und sie liegen gleich Sardinen,
im toten Sand, wie die Treibminen,
und trocknen aus wie die Dörrpflaumen,
bis krebsrot wird sogar ihr Daumen.
 
Es meint der erste Kapazunder:
„Das Menschen leben ist ein Wunder!
Die haben wirklich nicht viel Hirn,
da braucht man gar kein Wort verlier'n.
 
Denn wir sind da in ihren Gärten,
verbringen einen unbeschwerten
Sommer - Kost und Logis frei,
selbst die Liebe ist dabei.
 
Und sind die Menschen „abgeflogen“,
ums Geld natürlich auch betrogen,
da fahren sie in tausend Horden,
mit ihren Blechkisten gen Norden.
 
Dort steht der Winter vor der Tür
und was tun da hingegen wir?
Wir schlagen uns die Bäuche voll
und fliegen südwärts durch den Zoll.
 
Während sie im Winter frieren,
mit Pelzen schützen ihre Nieren,
da genießen wir das milde
Wetter längst im Südgefilde!“
 
„Das ist der Beweis zum Schluss“,
meint der zweite Genius,
„die Moral von der Geschicht,
ein Hirn, das hab’n die Menschen nicht!“


Liebe Grüße

Florian