Love Story

Diese außergewöhnliche Geschichte handelt von einem Nachtfalter namens Schwammspinner (Lymantria dispar). Den deutschen Namen verdankt er seinem (eher ihrem) Gelege, welches durch einen Schwamm aus getrocknetem Schleim und Afterwolle gut geschützt ist.

Es begann mit einer Arbeit im Wald, wo ich an einem kahlen Ahornstamm zwei borstige Raupen aus ihrem Versteck aufschreckte. Interessante Tierchen mit blauen und roten Warzen am Körper und jeder Menge Haarbüscheln. Schnell war beschlossen, dass ich die größere und reifere Raupe bis zum Falter züchten möchte. Also vorsichtig verpackt und später in ein Mini-Terrarium, bestehend aus einem Gurkenglas mit einem durchlöcherten Tiefkühlsackerl als Aufsatz, versetzt. Etwas Blumenerde, ein kleines Gläschen mit Wasser, das gleichzeitig auch als Vase für die Futterpflanzen dient und fertig ist das Biotop.

Mit großem Appetit verdrückte das Räupchen dann diverse Blätter von Ahornzweigen, Traubenkirschen, Eiche und Vogelkirsche, bis sie sich dann über Nacht eingesponnen hat. Die Puppenpflege ist dann wesentlich einfacher und beschränkt sich auf das Entfernen von welken Zweigen und täglicher Kontrolle des Allgemeinzustands. Und bei einer der Kontrollen sitzt dann tatsächlich ein frisch geschlüpftes Weibchen auf dem vorbereiteten Zweig!!


Einige Fotos später wird es dann auf die Balkonbegrünung übersiedelt. Dort kann es sich voll entfalten und gegebenenfalls auch abheben. Tut es aber nicht! In Nachtfaltermanier bleibt es in der Botanik hocken und versucht durch Duftabsonderung ein Männchen anzulocken. Gelesen hab ich fürwahr schon viel über fiederfühlige Männchen, die gegen den Wind ihr Weibchen über lange Distanzen ansteuern, aber ich hab zu dieser Zeit noch keinen einzigen Schwammspinner-Mann gesichtet.

Und so sitzt das Weibchen am nächsten Morgen einsam auf ihrem Zweig und hat wieder Ruhestellung eingenommen. Am folgenden Abend schaut die Sache schon ganz anders aus! Ein viel kleineres, braunes Männchen hat sich zum Weibchen gesellt und umspielt es gekonnt. Das habe ich noch einige Zeit beobachtet, dann hab ich den beiden ihre Intimsphäre gelassen!


Eine Schlagzeile in der K….-Zeitung: „Spanner beobachtet Spinner bei der Kopula“ wollte ich mir tatsächlich ersparen! Da bleib ich doch lieber ein Schwärmer, der Geschichten über Eulchen, Bären und Schneckenspinner schreibt. Und mit Dickkopffaltern hab ich auch was gemeinsam! ;-)


ganz liebe Grüße
Udo Tschernuter