Not macht erfinderisch

oder wenn die Bläulinge nicht zum Ameisen-Wiesenknopf kommen, 

dann kommt eben der Ameisen-Wiesenknopf zu den Bläulingen! 

 

Im Jahr 2008 habe ich ein Vorkommen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings in Maria Anzbach nachgewiesen. Seither haben wir immer einfachste Biotoppflege durch Beweidung betrieben und alle Jahre wieder die unscheinbaren Bläulinge auf ihren Wiesenknöpfen beobachten können. So machte ich im Sommer 2019 schon etwas spät einen Kontrollgang und tatsächlich, es waren schon mehrere Falter auf der Wiesenknopf-Wiese unterwegs. Was dort nicht anzutreffen war, war allerdings der Große Wiesenknopf! Zumindest keine Blütenstände. Alles fein säuberlich von den Ziegen, die heuer zu lang Biotoppflege betrieben haben, abgeweidet. Ratzeputz! Scheint geschmeckt zu haben…… Spuren von Blattrosetten waren noch zu finden, aber null Stämmchen mit Knospen oder Blüten. 


Was ist zu tun? Ein knappes Dutzend umhersuchende Falter und null Eiablage-Möglichkeiten! Ich erinnere mich an einen Baugrund in der Umgebung, wo letztes Jahr auf der Anschüttung 10-tausende (zehntausende!) Wiesenknöpfe geblüht haben. Nach einigen Telefonaten ist die Besitzerin ausfindig gemacht, aber gerade nicht zugegen. Ihre Mutter, die ehemalige Akkordeonlehrerin meiner Kinder, erteilte uns aber die Erlaubnis, ein paar Wiesenknöpfe auszugraben. Mit Spaten, Kisten und VW-Bus bewaffnet rücke ich mit meiner Tochter Monika an. Gefühlt fünf Quadratmeter Wiesenknopfziegel haben wir ausgestochen, zum Zielort transportiert und dort wieder bodengleich eingesetzt. Ziemlich schweißtreibend, die Angelegenheit. Zum Glück führte das nahe Bächlein noch genügend Wasser, sodass wir die Ziegeln gut `einsumpfen´ konnten. 

Gießen war auch noch länger notwendig und der Wiesenknopf ließ die meisten Köpfchen traurig hängen. Aber einige haben sich gut erholt und dürften auch angenommen worden sein. Der ursprüngliche Bestand trieb dann auch noch aus, aber wohl viel zu spät für eine Eiablage. Im Folgejahr wurden dann die Ziegen rechtzeitig umgesiedelt und der frühzeitige Kontrollgang ergab reichlich Wiesenknopf mit Knospentrieben. Zwei Wochen später flatterten die seltenen Freunde zahlreich über die Wiese und rasteten vorzugsweise auf „ihren“ Wiesenknopf-Blütenständen. 

 

Es gibt also noch Erfolgs-Stories! 

euer Udo Tschernuter